Nina Fischer
Schreibt für Mein Gassiweg
Über mich
Luna kam im Frühjahr 2024 aus einem rumänischen Tierheim. Sieben Monate alt, angeblich unproblematisch an der Leine. Das stimmte, solange wir allein auf dem Hof waren.
Die erste Hundebegegnung in Kreuzberg war ungefähr drei Minuten nach Ankunft. Luna hat gebrüllt. Ich hab fast die Leine losgelassen. Der andere Hundehalter hat uns angeschaut, als würden wir explodieren. Was technisch nicht falsch war.
Ich arbeite als Grafikdesignerin, 34, von meiner Altbauwohnung in Kreuzberg aus. Zwei große Altbaufenster mit Blick auf den Hinterhof, ein stehendes Zeichenbrett neben dem Laptop-Schreibtisch, Wände voll mit Pinboards und Farbfächern. Lunas Schlafkiste steht neben dem Heizkörper. An den Wohnungsecken kleben noch Klebestreifen auf dem Boden, weil ich ihr Kissen in den ersten Monaten überall ausprobiert hatte, bis mir klar wurde, dass sie einfach neben mir schlafen will. Zu Hause ein brauner Schatten. Draußen dreht sich das Verhältnis um.
Zweieinhalb Jahre und mehrere hundert Spaziergänge später kenne ich alle Hundebegegnungs-Hotspots zwischen Kottbusser Tor und Hasenheide. Inklusive der Uhrzeit, zu der der Schäfer aus der Gneisenaustraße seinen Hund ausführt. Der Tierarzt in der Wrangelstraße hat mir nach einer Untersuchung gesagt: "Ihre Hündin ist kerngesund, das ist Reaktivität, da hilft nur konsequentes Training." Was er danach sagte, hat mir nicht viel geholfen. Der erste Satz schon eher.
Konrad, ein Designerkollege mit dem ich gelegentlich einen Coworking-Platz in Mitte teile, hat einen fünfjährigen Golden Retriever namens Benny, der einfach neben ihm herläuft und alles schön findet. Konrad schickt mir manchmal Links zu Trainingsmethoden, die er irgendwo gelesen hat. Das ist nett gemeint. Petra, die ich auf der Hundewiese am Görlitzer Park kennengelernt habe, versteht die Sache konkreter: ihr Border-Collie-Mix Zorro und Luna haben sich gegenseitig angebellt, bis wir uns entschuldigt und angefangen haben zu reden. Seitdem tauschen wir Erfahrungen aus.
Als Grafikdesignerin, die täglich mit einer reaktiven Hündin durch Kreuzberg geht, schreibe ich hier über das, was ich beobachte. Kein Trainingsabschluss, kein Fachstudium dahinter. Ich habe starke Meinungen zu Instagram-Reels, die behaupten, Leinenprobleme in drei Tagen zu lösen. Heute Morgen hat Luna den Mops aus der Nachbarschaft wieder angebellt. Letzte Woche haben wir an der U1-Haltestelle einen Labrador vorbeilassen, ohne Alarm. So läuft das hier.
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