Nina Fischer
Schreibt für Mein Gassiweg
Über mich
Luna kam im Frühjahr 2024 aus einem rumänischen Tierheim. Sieben Monate alt, angeblich unproblematisch an der Leine. Das stimmte, solange wir allein auf dem Hof waren.
Die erste Hundebegegnung in Kreuzberg war ungefähr drei Minuten nach Ankunft. Luna hat gebrüllt. Ich hab fast die Leine losgelassen. Der andere Hundehalter hat uns angeschaut, als würden wir explodieren. Was technisch nicht falsch war.
Ich bin Grafikdesignerin, 34, und wohne seit neun Jahren in Berlin-Kreuzberg. Ich arbeite von zu Hause aus, was bedeutet, dass Luna und ich sehr viel Zeit miteinander verbringen. Inzwischen habe ich einen genauen Überblick über alle Hundebegegnungs-Hotspots zwischen Kottbusser Tor und Hasenheide. Inklusive der Uhrzeit, zu der der Schäfer aus der Gneisenaustraße seinen Hund ausführt. Seit sechs Monaten eine feste Ausweich-Variable in meinem Kopf.
Ich habe in zweieinhalb Jahren viel probiert. Verschiedene Geschirre. Behandlungsstrategien aus YouTube-Videos. Eine Beratung beim Tierarzt in der Wrangelstraße, die mit dem Satz endete: "Ihre Hündin ist kerngesund, das ist Reaktivität, da hilft nur konsequentes Training." Danke, sehr erhellend.
An meinem Schreibtisch kleben noch vier Klebestreifen an der Unterseite, weil ich Lunas Rucksack-Kissen damals in jeder Wohnungsecke befestigt hatte, bis ich verstanden habe, dass sie das gar nicht braucht. Ich trinke zu viel Kaffee. Ich habe starke Meinungen zu Instagram-Reels, die behaupten, Leinenprobleme in drei Tagen zu lösen.
Keine Hundetrainerin. Keine Verhaltensexpertin. Ich gehe jeden Tag draußen mit Luna und schreibe auf, was funktioniert, was nicht, und wie es sich angefühlt hat. Heute Morgen hat sie den Mops aus der Nachbarschaft wieder angebellt. Aber letzte Woche haben wir an der U1-Haltestelle einen Labrador vorbeilassen, ohne dass irgendetwas passiert ist. Kleine Fortschritte.
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